Ausstellungsbericht zur Themenausstellung

"Berliner Luft - Berliner Künstler"


vom 18. Juli bis 14. August 1998


Vom 18. Juli bis zum 14. August kann bei uns "Berliner Luft" geschnuppert werden. 25 Künstler, die zu Anfang unseres Jahrhunderts Berlin zur Kunstmetropole Deutschlands machten oder deren künstlerisches Wirken stark mit dieser Stadt verknüpft war, geben sich mit rund 100 Werken ein Stell-Dich-Ein.

Berlin galt von der Jahrhundertwende bis 1933 als ein Ort der Künstlerschmiede und Sammelbecken unerschöpflicher Anregungen, also ein "Muß" für junge Künstler.

Die Ausstellungen in der Berliner Galerie Cassirer spiegelten seit 1898 die internationale Avantgarde vom französischen Impressionismus bis Munch wieder. Herwarth Walden wurde ab 1910 mit seiner Institution "Der Sturm", Verlag, Zeitschrift und Galerie zugleich, Sprachrohr für expressionistische Strömungen. Das 1899 gegründete Flaggschiff der damaligen deutschen Avantgarde, die Berliner Secession, wurde bereits 1910 von der "Neuen Secession" abgelöst. Die Ausjurierung der Bilder der Brücke-Künstler auf den Ausstellungen der Berliner Secession war für die damals jungen "Wilden" der Anlaß zum Zusammenschluß. Die Gründungsmitglieder der "Brücke" Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel verließen 1911 endgültig ihren Gründungsort Dresden und zogen nach Berlin. Hermann Max Pechstein hatte bereits seit 1908 sein Atelier in Berlin.

Neben Werken der genannten Brücke-Mitglieder sind besonders eine Tessinlandschaft und die im Jahre 1944 entstandenen "Zwei Mächen in inniger Umarmung" von Karl Hofer, ab 1928 Vorstand der Berliner Secession, hervorzuheben. Werner Laves und Robert Bonsack, die in den 20er Jahren bei Hofer studiert haben, sind mit einigen Arbeiten vertreten. Max Kaus, neben Pechstein und Schmidt- Rottluff ebenfalls Lehrkraft der Hochschule für Künste in Berlin, lässt sich mit seiner grandiosen Figurenkomposition "Badende im Bach" aus dem Jahre 1925 nahtlos in die Reihe der "Brücke"-Künstler stellen.

Als eine Entdeckung besonderer Art kann der gebürtige Berliner Erich Waske (1889 - 1979) gelten, dessen Werke schon 1910 in der 1. Ausstellung der "Neuen Secession" mit der "Brücke" ausgestellt waren. Das u.a. gezeigte Bild Waskes "Zirkusszenerie" beweist seine Begabung in der Innovation ungewöhnlicher Komposition und Farbgebung. Erich Büttner (1889 - 1936), Orlik-Schüler und ebenfalls Mitglied der Berliner Secession, war im Berlin der 20er Jahre als bedeutender Porträtist gefeiert. Er überrascht in der Ausstellung durch Porträts und Landschaften. Eugen Spiro erhält als Präsident der Berliner Secession der Jahre 1915-33 durch eine überzeugende Landschaft seinen Platz. Farbstarke Landschaften des Bruno Krauskopf (1892 - 1960), Vorstandsmitglied der Berliner Secession, stehen für die in der Emigration entstandenen heute leider zu Unrecht vergessenen Werke großer Berliner Maler.

In dem großen Reigen der gezeigten Berliner Künstler sind weiter Hans Böttcher, Artur Degner, Hugo von Habermann, Franz Heckendorf, Otto Herbig, Philipp Klein, Paul Kuhfuss, Max Liebermann, Oskar Moll, Heinrich Nauen, Wolf Röhricht, Christian Rohlfs und Lesser Ury zu nennen.

Abgerundet wird die Ausstellung durch Skulpturen von Fritz Klimsch (1870 - 1960), der gemeinsam mit Liebermann, Skarbina und Leistikow die Berliner Secession gründete. Den Schlußpunkt der Ausstellung setzt HP Zimmers Arbeit "Im Stasiland" aus dem Jahre 1990.