Rolf Cavael (1898 - 1979)



Cavael, der ab 1924 an der Städelschule in Frankfurt studiert hat, verdiente sich seinen Lebensunterhalt zunächst mit Arbeiten für die Filmindustrie, als Werbegraphiker und Dozent für Angewandte Graphik. Seine erste Ausstellung im Jahre 1933 in Braunschweig, die er zusammen mit Josef Albers durchführte, war der Anlaß zum Malverbot durch die Nationalsozialisten.

Als Pionier der Abstraktion hat sich Cavael in der theoretischen Nachkriegskontroverse der Polarisierung von abstrakter und gegenständlicher Kunst vehement eingesetzt. Gemeinsam mit Gerhard Fietz, Rupprecht Geiger, Willy Hempel, Brigitte Meier-Denninghof und Fritz Winter hat Rolf Cavael unter dem Protektorat von Willi Baumeister eine der wichtigsten Künstlergruppen nach '45, die Gruppe ZEN 49 in München, ins Leben gerufen.

Eine Triebfeder im Werk Cavaels ist seine Faszination an der Mikrobiologie und die Beschäftigung mit den Gesetzmäßigkeiten der Natur. Tatsächlich erinnern seine "schwebenden Formen" der frühen 50er Jahre an durchs Mikroskop beobachtete Zellen, kompakte geometrische Formen, die vor monochromem farbigen Grund ihr Eigenleben zu entwickeln und zu korrespondieren scheinen. Die Wirkung von Präzision und statischer Ruhe dieser Werkphase weicht in den 60er und 70er Jahren stark gestischen Arbeiten voller Dynamik.

Die Betrachtung dieser Bilder verrät Cavaels Affinität zur Musik. Kompositionen entstanden, in denen Cavael mit den Mitteln der Malerei - hierin Kandinsky vergleichbar - einem "inneren Klang" aufspürte. Im Vergleich zu Jackson Pollocks Drip paintings, in dessen Linienlabyrinten die Linie zum Zufallsprodukt entmündigt wird, verselbständigt sich diese bei Cavael zunehmend und avanciert zum wichtigsten Ausdrucksmedium. Die Farbe spielt eine kontrapunktische Rolle, läßt Linienstrudel zu fulminanten Crescendi anschwellen oder bietet den mit dem Pinsel empfundenen Stakkati und Fermaten Paroli.